Ich finde den performativen Körpereinsatz sehr interessant, und hoffe, dass dieser spannende Zyklus die ihm gebührende Aufmerksamkeit erfahren wird.

 

Mag.a Veronika Rudorfer

Redaktion / Editor

 

EIKON

Internationale Zeitschrift für Photographie und Medienkunst

Vernissage

17. November 2016, um 19.00 Uhr

 

bfz - Sozialpädagogisches

Zentrum Kärnten

Klinikumgelände

Gutenbergstraße 9

9020 Klagenfurt

Photographic Performance

Breathing is my performing

 

Die Atmung ist die wichtigste aller Bewegungen. Als natürlichster und direktester Energieaustausch im menschlichen Körper, begleitet uns das Atmen ein Leben lang. Michael Seyer sieht die Atmung als Ausgangspunkt für sein aktuelles fotografisches Werk. Er hat 18 Jugendliche mit Behinderungen und körperlichen Einschränkungen gebeten, sich auf einer Theaterbühne vorzustellen, dort zu musizieren und zu tanzen. Der Künstler wählt keine Schauspieler aus, es handelt sich ausnahmslos um Personen, die freiwillig ihr Innerstes einem imaginären Publikum anvertrauen.

 

Gleichsam wie bei einer „Opera per flauto“ setzt plötzlich Musik ein. Ein junges Mädchen taucht auf der Bühne auf, begeistert die jungen Menschen mit ihrem Flötenspiel und lädt sie zum gemeinsamen Musizieren ein. Der Künstler fertigt davon Fotografien und Videos an.

 

Klar, knapp und formal bestechend ergibt sich eine Würdigung des körperlichen Ausdruckes von Menschen. Gerade in den Videodarstellungen findet die Erkenntnis Platz, dass der „Takt“ des Menschen einmalig ist.

 

Die großformatigen Fotografien auf dunklem Bühnenhintergrund im ersten Raum zeigen die „bloße Präsenz“ der abgebildeten Personen. Befreiend wirkt die Gewissheit, dass es Menschen gibt, die sich nicht darstellen wollen oder können und in gewisser Weise Behinderungen zu Stärken geformt haben. In einer offensichtlich exponierten Bühnensituation wird die komplexe Identitätssuche von Menschen mit Einschränkung zu einem Monolog zwischen Tradition und „Supermodernität“.

 

Die im zweiten Raum gezeigten Videos zeigen die bereits auf den Fotografien dargestellten Jugendlichen entspannt sitzend in einer sogenannten „Hauskapelle“. Dieser Kirchenraum, der üblicherweise für besondere Feierlichkeiten der jungen Menschen genutzt wird, bietet dem Fotografen die Möglichkeit, auf Grund der Raumcharakteristik Bühne und Sakralbau in Verbindung zu setzen. Gezeigt werden sehr langsame und den Ausschnitt beibehaltende Schwarzweißeinstellungen, Handperformances, Verhüllungen, sehr fein dosierte Abfolgen von Perkussionsinstrumenten und feinfühlige, lang anhaltende stumme Videoporträts.

 

Im letzten Raum zeigt Michael Seyer eine Audio-Performance.

Die auf analogem Tonband aufgezeichneten Tanzschritte, Atemgeräusche, Ping-Pong-Spiele und „Auftritte“ am Bühnenboden stellen an den Besucher die Frage: Ist es auf der „Bühne des Lebens“ möglich, „nur“ da zu sein oder ist die Präsenz stets an eine „Leistungsschau der Person“ gekoppelt?

 

Michael Seyer

11. August 2016

 

Mit Unterstützung von:

KE-Theater Klagenfurt

Land Kärnten Kultur

The Garden Blues

Fotografien von Pariser Gärten

 

„The Garden Blues - Fotografien von Pariser Gärten“, Entstehungsjahr 2000 wird im Rahmen der Ausstellung“Ordnung und Obsession - Serien, Werkgruppen und Zyklen“ ab 17. Jänner 2017 in der Stadtgalerie Klagenfurt ausgestellt.

 

„Michael Seyers Fotografien bilden die Natur nicht ab, sondern fangen durch gezielte Wahl des Ausschnitts eine Idee der sichtbaren Natur ein, welche einer fortlaufenden Veränderung ausgesetzt ist, welche vergänglich ist – dem Betrachter somit in immer neuer Gestalt gegenübertritt. (…)

 

Die künstlerischen Arbeiten von Michael Seyer bewegen sich an der Schnittstelle von Zeichnung, Malerei und Fotografie und stellen den gelungenen Versuch dar, mit fotografischen Mitteln einen Moment der Abstraktion herzustellen. Die Naturaufnahmen sind im Begriff sich aufzulösen – die Fotografien sind nicht eindeutig fassbar, nicht einordbar. Und dennoch: Es gelingt dem visuellen Gedächtnis des Betrachters Gegenständliches zu erahnen und so die Bildkomposition weiterzudenken. (…)

 

Die vorliegenden Landschaftsfotografien zeichnen sich durch eine starke malerische Qualität aus – bedingt durch den behutsamen Lichteinsatz sowie die unterschiedlich vorhandenen Schärfevarianten im Bildraum. (…) Eine fotografische Nahsicht eines Kastanienbaums – gefunden im Herzen von Paris – ist in ein weiches, warmes Licht getaucht und lässt die raue, strukturierte Oberfläche des Holzes geradezu geschmeidig, vom Licht moduliert – kurz: idealisiert – erscheinen. (…) Der Künstler arbeitet mittels analoger Fotografie – anachronistisch, wie es im Zeitalter digitaler Medien erscheint. Doch ist es nicht gerade dieser analoge, haptische Moment, den uns die Natur fast aufdrängt? Die vorliegenden Fotografien Michael Seyers, welche ohne technische Nachbearbeitung auskommen, setzen sich von den geläufigen, digitalen, überscharfen Fotografien, denen unser Blick tagtäglich begegnet, durch ihr Spiel mit dem natürlichen Licht, der Spiegelung, der kompletten oder partiellen Unschärfe – wodurch in manchen Fällen eine totale Abstraktion entsteht – ab.“

 

Evidence 1 - 7

 

Fotografische Tableaus, Kassettenrahmen, 110 x 150 cm

Unikate, 2016

 

© Michael Seyer

Evidence 1 - 7

 

Die eben erschienenen, fotografischen Arbeiten setzen sich mit den Themen Einmaligkeit, Altern und Bewahren des Einmaligen anhand von kostbaren und seltenen Insekten des zoologischen Archivs des Landesmuseums Kärnten auseinander,

 

Die sorgfältig ausgewählten und in Holzkassetten präsentierten Schmetterlinge, Libellen und Käfer transformiert der Künstler intuitiv in fotografische Tableaus und setzt nicht zuletzt natürliches Licht ein, um eine ganz spezielle Formen- und Farbensprache herauszuarbeiten.